Literarisches Umfeld und Freunde
Max Brod
 
                     
 
 

Information Neben einer Übersicht über die Werke halten wir auch eine Zusammenstellung externer Links bereit.

Max Brod Der Romancier und Kulturphilosoph Max Brod wird am 25. Mai 1884 in Prag geboren und stirbt am 20. Dezember 1968 in Tel Aviv. Die jüdische Familie von Brod lebte schon seit über 300 Jahren in Prag und gehörte dem Mittelstand an.

Die Überwindung einer schweren Kynopse (Wirbelsäulenverkrümmung) während seiner Kinder- und Jugendzeit wirkt sich stark auf seine Charakterentwicklung aus. Durch diese Erfahrung beeinflußt, ist Max Brod davon überzeugt, daß es die Aufgabe des Menschen sei, Leid und Unrecht zu bekämpfen. Brod studiert Jura an der deutschen Universität in Prag und promoviert 1907. Von 1907 bis 1924 ist er Beamter bei der Postdirektion in Prag und arbeitet von da ab als Kulturreferent im Ministeratspräsidium der CSR. Von 1929 bis 1939 ist Brod Literatur- und Musikkritiker des Prager Tageblatts und Mitbegründer des jüdischen Nationalrates in der CSR, um sich später als dessen Viezepräsident für die Errichtung von jüdischen Schulen einzusetzen.

Am 15. März 1939 verläßt Brod zusammen mit seiner Frau Prag und emigriert nach Israel, wo er in Tel Aviv als Dramaturg der Habimah und gleichzeitig auch als Musik- und Theaterkritiker arbeitet. Die Vorträge und Begegnungen von und mit Martin Buber im Prag der Jahre 1909 bis 1910 vertiefen Brods Verständnis des Judentums und machen aus ihm einen überzeugten Zionisten, doch sein starkes jüdisches Volks- und Identitätsbewußtsein gibt immer wieder Anlaß zu starken politischen und ethischen Auseinandersetzungen, unter anderem auch mit Franz Werfel.

Für Max Brod ist die Tat im Judentum und die ethische Verpflichtung des Menschen von großer Bedeutung, sein literarisches Schaffen begreift sich als das Streben nach "Verwirklichung" als ethisches Postulat, daß die Durchsetzung eines ethischen Effekts in der Realität zur Folge hat. Als Entdecker und Förderer neuer Talente bemüht er sich unter anderem auch um Franz Werfel, Jaroslaw Hasek und Leos Janacek.

Max Brod begegnet Franz Kafka zum ersten mal im Jahre 1902 und erkennt nach den ersten Vorlesungen dessen außergewöhnliche Begabung. Durch Lob und Anerkennung hat Brod viel zur seelischen und geistigen Unterstützung Kafkas beigetragen. In einem Brief an Felice Bauer (Brief an Felice Bauer, 14./15. Februar 1913), die er durch Brod kennenlernt, bemerkt Franz Kafka, daß die freundschaftlichen Gefühle, die Brod für ihn empfindet nicht nur auf literarischer Ebene, sondern noch tiefgreifender, angesiedelt sind. Die enge Verbindung zwischen den Freunden wird auch dadurch deutlich, daß Kafka im selben Brief betont, daß er sich mit den Werken Brods genauso identifiziert, wie mit den eigenen. Obwohl Franz Kafka in seiner letztwilligen Verfügung an Brod appelliert, all seine Manuskripte zu verbrennen, entscheidet sich Max Brod dazu die Werke Kafkas zu veröffentlichen. Brod tut dies wohl aus dem Grunde, weil er diese Aufforderung als eine der schwierigen Entscheidungsforderungen versteht, die im Werk und Leben Kafkas von zentraler Bedeutung waren, nämlich unbeirrt von äußeren Umständen das "Richtige" zu tun (vgl. Max Brodīs Weltanschauung). Max Brod kennt den Unterschied zwischen dem "schreibenden", "redenden" und manchmal sogar zwischen dem "schreibenden" und "denkenden" Kafka, der selber in einem Brief an seine Schwester sagt, daß er anders schreibe, als er redet und anders rede als er schreibt (Brief an seine Schwester Ottla, 10. Juli 1914). Max Brod betrachtete Kafkas Werke als die Spiegelung einer mit höchster Sensibilität erfaßten, mannigfaltigen Realität, in der sein Anteil der Hoffnung für "Andere" durch seine Schwächen und dem Versagen, seiner "Verpflichtung" diesen "Anderen" gegenüber nachzukommen, beschränkt sei.

Max Brod muß den Willen Kafkas, seine Manuskripte zu verbrennen, als genau solch eine "Schwäche" verstanden haben und hat es als seine Aufgabe betrachtet, dessen wahren "Verpflichtungen" nachzukommen, denn auch in seinem eigenen Gesamtwerk hatte er es sich immer zur Aufgabe gemacht in einer kompromißlosen Zielstrebigkeit die "sittliche Wahrheit" zu erlangen.

Textgrundlage: Literatur Lexikon, Autoren und Werke deutscher Sprache, herausgegeben von Walter Killy, Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh/München, 1991.
Bildquelle: Klaus Wagenbach: Franz Kafka-Bilder aus seinem Leben, Berlin, 1989, S. 54.

 
 
          
Letzte Aktualisierung: 07.03.2012
          
   
www.kafka.uni-bonn.de/cgi-bin/kafka?Rubrik=biographie&Punkt=freunde&Unterpunkt=brod