Frauen im Leben des Franz Kafkas
Felice Bauer
Heiratspläne
 
                     
 
 

Erst an Ostern 1913 sahen sich die beiden nach ihrer ersten Begegnung im Berliner Hotel "Askanischer Hof" wieder und gemeinsame Spaziergänge befestigten ihre Beziehung. Mitte Juni bat er sie, seine Frau zu werden. Obwohl ihm eine Ehe mit Felice sinnvoll erschien, trat sein innerer Konflikt zutage und er hatte Angst davor, nicht mehr alleine zu sein. Die Kunst des Schreibens war für ihn mit einer Ehe unvereinbar. So findet sich in einem Tagebucheintrag vom 21. Juli 1913 eine Zusammenstellung alles dessen, was gegen meine Heirat spricht [Brod 1983: 147].

In seinen Briefen an Felice versuchte er sie davon überzeugen, daß aus ihrer Verbindung nichts werden könne, da sein wahres Interesse das Schreiben sei, daß nämlich das Schreiben mein eigentliches gutes Wesen ist. Wenn etwas an mir gut ist, dann ist es dieses [Brod 1983: 407]. Seine Einstellung zum Schreiben schien demnach ein Hindernis für die Heirat zu sein.

Trotz aller Zweifel (Was ich leiden werde, was sie leiden wird - es ist nicht zu vergleichen mit dem gemeinsamen Leid, das entstehen würde [Brod1983: 148]) sah er Felice an Ostern 1914 wieder und sie planten, im September zu heiraten. Am 30. Mai wurde trotz seiner Gegenbeweise in Berlin die offizielle Verlobung gefeiert, die Kafka als Folterung empfand. Seine Eltern bejahten die Verbindung zu Felice und erhofften sich einen positiven Einfluß auf die unbürgerliche Lebensweise ihres Sohnes. Doch Kafka fürchtete, daß sein literarisches Arbeiten durch eine Heirat beeinträchtigt werden könnte und er durch die Hingabe an Felice seine Identität verlieren würde. Auf der anderen Seite stand dagegen die Verbindung mit einem vertrauten Menschen und damit bot sich ihm eine Chance zur sozialen Verankerung. Schließlich überwogen seine Bedenken und das Verlöbnis wurde am 23. Juli 1914 wieder aufgelöst.

Trotzdem brach der Kontakt zu Felice nicht ab. Im Januar 1915 sahen sich die beiden zum ersten Mal nach der Entlobung im Grenzort Bodenbach wieder. Den Juli 1916 verbrachten Kafka und Felice zusammen in Marienbad, doch die Tagebücher sprechen von der Mühsal des Zusammenlebens und von der Unmöglichkeit, mit F. zu leben. Sie beschlossen dennoch zu heiraten und nach Berlin zu ziehen. So verlobten sie sich Anfang Juli 1917 ein zweites Mal.

So weit kam es jedoch nie. Nach dem Ausbruch seiner Tuberkulose im Sommer 1917 trennte er sich endgültig von ihr. Er machte dabei seine ausbrechende Krankheit zum Richter über ihrer beiden gemeinsamen Schicksals. Die danach zustande kommenden Beziehungen zu anderen Frauen lassen die Krankheit als Entlobungsgrund jedoch fadenscheinig erscheinen.

Am 16. Oktober schrieb Kafka seinen letzten Brief an Felice. Diese heiratete im März 1919 einen reichen Berliner Geschäftsmann, mit dem sie sich zuerst in der Schweiz und dann in den USA niederließ. Als Felice Bauer-Marasse verstarb sie am 15 Oktober 1960 in Kalifornien.

 
 
          
Letzte Aktualisierung: 07.03.2012
          
   
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