Briefwechsel
1912
 
                     
 
 

2.1.1912 2. Januar. Infolgedessen gab ich den schlechten Kleidern auch in meiner Haltung nach, ging mit gebeugtem Rücken, schiefen Schultern, verlegenen Armen und Händen herum: fürchtete mich vor Spiegeln, weil sie mich in einer meiner Meinung nach unvermeidlichen Häßlichkeit zeigten, die überdies nicht ganz wahrheitsgemäß abgespiegelt sein konnte, denn hätte ich wirklich so ausgesehn, hätte ich auch größeres Aufsehen erregen müssen, erduldete auf Sonntagsspaziergängen von der Mutter sanfte Stöße in den Rücken und viel zu abstrakte Ermahnungen und Prophezeihungen, die ich mit meinen damaligen gegenwärtigen Sorgen in keine Beziehung bringen konnte. (T 164)
4.1.1912 4. Januar. Nur infolge meiner Eitelkeit lese ich so gerne meinen Schwestern vor (so daß es zum Beispiel heute zu spät zum Schreiben geworden ist). (T 168)
5.1.1912 5. Januar. Seit zwei Tagen konstatiere ich in mir Kühle und Gleichgültigkeit, wann ich will. (T 170)
6.1.1912 6. Januar. Gestern "Vicekönig" von Feimann. (T 171)
7.1.1912 Prag: Tagebuch
24.1.1912 24. Januar. Mittwoch. Aus folgenden Gründen so lange nicht geschrieben: (T 177)
26.1.1912 26. Januar. Der Rücken des Herrn Weltsch und die Stille des ganzen Saales bein Anhören der schlechten Gedichte. (T 178)
31.1.1912 31. Januar. Nichts geschrieben. (T 178)
4.2.1912 4. Februar. Vor drei Tagen Wedekind: "Erdgeist". (T 178)
5.2.1912 5. Februar. Montag. Müde auch das Lesen von "Dichtung und Wahrheit" aufgegeben (T 180)
8.2.1912 8. Februar. Goethe: Meine Lust am Hervorbringen war grenzenlos. (T 181)
19.2.1912 Brief an Max Brod (Br 93, KBB 99)
26.2.1912 26. Februar. Besseres Selbstbewußtsein. (T 184)
27.2.1912 27. Februar. Ich habe keine Zeit, Briefe doppelt zu schreiben. (T 185)
28.2.1912 28. Februar. Am Sonntagmorgen beim Waschen fällt ihm ein, daß er das "Tagblatt" noch nicht gelesen hat. (T 188)
2.3.1912 2. März. Wer bestätigt mir die Wahrheit oder Wahrscheinlichkeit dessen, daß ich nur infolge meiner literarischen Bestimmung sonstinteresselos und infolgedessen herzlos bin. (T 192)
3.3.1912 3. März. Den 28. Februar bei Moissi. (T 192)
5.3.1912 5. März. Diese empörenden ärzte! (T 193)
8.3.1912 8. März. Vorgestern. Vorwürfe wegen der Fabrik bekommen. Eine Stunde dann auf dem Kanapee über Aus-dem-Fenster-Springen nachgedacht. (T 194)
10.3.1912 10. März. Sonntag. Er verführte ein Mädchen in einem kleinen Orte im Isergebirge, wo er sich einen Sommer lang aufhielt, um seine angegriffenen Lungen wiederherzustellen. (T 195)
11.3.1912 11. März. Gestern nicht zum Aushalten. (T 196)
12.3.1912 12. März. In der vorübereilenden Elektrischen saß in einem Winkel, die Wange an der Scheibe, den linken Arm die Lehne entlangge streckt, ein junger Mann in offenem, um ihn sich aufbauschenden überzieher und sah über die lange leere Bank mit beobachtenden Blicken hin. (T 196)
17.3.1912 17. März. In diesen Tagen "Morgenrot" von Stoeßl gelesen. (T 198)
18.3.1912 18. März. Weise war ich, wenn man will, weil ich jeden Augenblick zu sterben bereit war, aber nicht deshalb, weil ich alles besorgt hatte, was mir zu tun auferlegt war, sondern weil ich nichts davon getan hatte und auch nicht hoffen konnte, jemals etwas davon zu tun. (T 199)
22.3.1912 22. März. (Ich habe die letzten Tage falsche Daten geschrieben.) (T 199)
24.3.1912 24. März. Sonntag, gestern. "Die Sternenbraut" von Christian von Ehrenfels. (T 199)
25.3.1912
26.3.1912 26. März. Nur nicht überschätzen, was ich geschrieben habe, dadurch mache ich mir das zu Schreibende unerreichbar.
27.3.1912 27. März. Montag faßte ich auf der Gasse einen Jungen, der mit andern ein wehrlos vor ihnen gehendes Dienstmädchen mit einem großen Ball bewarf, gerade als dem Mädchen der Ball gegen den Hintern flog, beim Hals, würgte ihn in großer Wut, stieß ihn beiseite und schimpfte. (T 200)
28.3.1912 28. März. Aus dem Vortrag der Frau Fanta "Berliner Eindrücke": (T 200)
29.3.1912 29. März. Die Freude am Badezimmer. (T 200)
30.3.1912 Brief an Max Brod (Br 93, KBB 99)
1.4.1912 1. April. Zum erstenmal seit einer Woche ein fast vollständiges Mißlingen im Schreiben. (T 200)
3.4.1912 3. April. So ist ein Tag vorüber - Vormittag Bureau, Nachmittag Fabrik, jetzt abends Geschrei in der Wohnung rechts und links, später die Schwester von "Hamlet" abholen - und ich habe mit keinem Augenblick etwas anzufangen verstanden. (T 201)
8.4.1912 8. April. Karsamstag. Vollständiges Erkennen seiner selbst. (T 201)
6.5.1912 6. Mai, elf Uhr. Zum erstenmal seit einiger Zeit vollständiges Mißlingen beim Schreiben. Das Gefühl eines geprüften Mannes. (T 201)
7.5.1912 Brief an Max Brod (Br 94, KBB 100)
9.5.1912 9. Mai. Gestern abend mit Pick im Kaffeehaus. (T 202)
22.5.1912 22. Mai. Gestern wunderschöner Abend mit Max. (T 202)
23.5.1912 23. Mai. Gestern: hinter uns fiel ein Mann vor Langeweile vom Sessel. (T 203)
25.5.1912 25. Mai. Schwaches Tempo, wenig Blut. (T 203)
27.5.1912 27. Mai. Gestern Pfingstsonntag, kaltes Wetter, nicht schöner Ausflug mit Max und Weltsch, abends Kaffeehaus, Werfel gibt mir "Besuch aus dem Elysium". (T 204)
1.6.1912 1. Juni. Nichts geschrieben. (T 204)
2.6.1912 2. Juni. Fast nichts geschrieben. (T 204)
6.6.1912 6. Juni. Donnerstag, Fronleichnam. Wie von zwei Pferden im Lauf das eine den Kopf für sich und aus dem Lauf heraus senkt und gegen sich mit der ganzen Mähne schüttelt, dann ihn aufrichtet und jetzt erst, scheinbar gesünder, den Lauf wieder aufnimmt, den es eigent lich nicht unterbrochen hat. (T 204)
7.6.1912 7. Juni. Arg. Heute nichts geschrieben. Morgen keine Zeit. (T 204)
17.6.1912 Brief an den Verwaltungsausschuß der Anstalt (AS 175)
28.6.1912 Freitag, 28. Juni. Abfahrt Staatsbahnhof. (T 477)
29.6.1912 Samstag, 29. Juni. Frühstück. Der Herr, der Samstag die Quittung einer Geldsendung nicht unterschreibt. (T 477)
30.6.1912 Weimar: Ansichtspostkarte an Julie
30.6.1912 Sonntag, 30. Vormittag. Schillerhaus. Verwachsene Frau, die vor tritt und mit ein paar Worten, hauptsächlich durch die Tonart, das Vorhandensein dieser Andenken entschuldigt. (T 479)
1.7.1912 Montag 1. Juli. Gartenhaus am Stern. (T 481)
2.7.1912 Dienstag 2. Juli. Goethehaus. Mansarden. Beim Hausmeister die Photographien angesehen. (T 481)
3.7.1911 Weimar: Ansichtspostkarte an Ottla Kafka
3.7.1912 Mittwoch 3. Juli. Goethehaus. Es soll im Garten photographiert werden. (T 481)
4.7.1912 Donnerstag 4. Juli. Goethehaus. Bestätigung des versprochenen Rendezvous mit lautem Ja. (T 482)
5.7.1912 Freitag 5. Juli. Vergeblicher Gang zum Goethehaus. (T 483)
6.7.1912 Montag, 6. Juli. ein wenig angefangen. Bin ein wenig verschlafen. Auch verlassen unter diesen ganz fremden Menschen. (T 205)
6.7.1912 Samstag 6. Juli. - Zu Johannes Schlaf. (T 485)
7.7.1912 Halberstadt: Brief an Max Brod (Br 95, KBB 100)
7.7.1912 Hannover-Leipzig (Bahnpost): Brief an Max Brod (Br 94, KBB 101)
7.7.1912 7. Juli. Siebenundzwanzig, Nummer des Packträgers in Halle. (T 487)
8.7.1912 8. Juli. Mein Haus heißt "Ruth". (T 488)
9.7.1912 Jungborn i. Harz: Brief an Max Brod (Br 95, KBB 101)
9.7.1912 9. Juli. So lange nichts geschrieben. (T 205)
9.7.1912 9. Juli. Gut geschlafen in der nach drei Seiten freien Hütte. (T 488)
10.7.1912 Jungborn i. Harz: Brief an Max Brod (Br 95, KBB 103)
10.7.1912 10. Juli. Fuß verstaucht. (T 489)
11.7.1912 11. Juli. Gespräch mit einem Dr. Friedrich Sch., Magistratsbeamter, Breslau, der lange in Paris gewesen ist, um die städtischen Einrichtungen zu studieren. (T 490)
12.7.1912 12. Juli. Erzählungen des Dr. Sch. (T 491)
13.7.1912 Jungborn: Brief an Max Brod (Br 97, KBB 104)
13.7.1912 13. Juli. Kirschen gepflückt. (T 491)
15.7.1912 15. Juli. Kühnemann "Schiller" gelesen. (T 492)
16.7.1912 16. Juli. Kühnemann. - Herr Guido von Gillhausen, Hauptmann a. D., dichtet und komponiert "An mein Schwert" u. ä. (T 493)
17.7.1912 Jungborn: Brief an Max Brod (Br 98, KBB 105)
19.7.1912 19. Juli. Regentag. (T 496)
20.7.1912 20. Juli. Vormittag mit Dr. Sch. im Wald. (T 496)
22.7.1912 22. Juli. Fräulein G., Lehrerin, eulenähnliches junges, frisches Gesicht, voll lebhafter, gespannter Züge. (T 498)
30.7.1912 Jungborn im Harz: Brief an Otto Brod (KBB 110)
6.8.1912 Brief an Max Brod (Br 99, KBB 110)
[KBB: Anfang August 1912, Br: Juli 1912]
7.8.1912 7. August. Lange Plage. (T 205)
8.8.1912 8. August. "Bauernfänger" zur beiläufigen Zufriedenheit fertig gemacht. Mit der letzten Kraft eines normalen Geistezustandes. Zwölf Uhr, wie werde ich schlafen können? (T 206)
9.8.1912 9. August. Die aufgeregte Nacht. (T 206)
10.8.1912 10. August. Nichts geschrieben. (T 206)
11.8.1912 11. August. Nichts, nichts. (T 206)
14.8.1912 14. August. Brief an Rowohlt. (T 206)
15.8.1912 15. August. Nutzloser Tag. (T 207)
16.8.1912 16. August. Nichts, weder im Bureau noch zu Hause. Ein paar Seiten im Weimarer Tagebuch geschrieben. (T 207)
21.8.1912 21. August. Unaufhörlich Lenz gelesen und mir aus ihm - so steht es mit mir - Besinnung geholt. (T 208)
4.9.1912 Kurt Wolff an Franz Kafka (KWBr 25)
4.9.1912 4. September. Der Onkel aus Spanien. (T 209)
5.9.1912 5. September. Ich frage ihn: Wie soll man das verbinden, daß du unzufrieden bist, wie du letzthin sagtest, und daß du dich in allem zurechtfindest, wie man immer wieder sieht (und wie es sich mit der solchem Zurechtfinden immer eigentümlichen Roheit zeigt, dachte ich). (T 210)
8.9.1912 8. September. Sonntag vormittag. Gestern Brief an Dr. Schiller. (T 210)
17.9.1912 17. September 1912. Es gibt nur ein Ziel, keinen Weg. Was wir Weg nennen, ist Zögern. (H 220)
18.9.1912 Brief an Elsa Taussig (Br 104, KBB 111)
18.9.1912 18. September. Die gestrigen Geschichten des H. im Bureau. (T 212)
19.9.1912 19. September. Kontrollor P erzählt von der Reise, die er als dreizehnjähriger Junge mit siebzig Kreuzern in der Tasche, in Begleitung eines Schulkameraden ausführte. (T 213)
20.9.1912 Brief an Max Brod und Felix Weltsch (Br 104, KBB 113)
20.9.1912 20. September. Briefe an Löwy und Fräulein Taussig gestern, an Fräulein B. und Max heute. (T 214)
23.9.1912 23. September. Diese Geschichte "Das Urteil" habe ich in der Nacht vom 22. bis 23. von zehn Uhr abends bis sechs Uhr früh in einem Zug geschrieben. (T 214)
25.9.1912 Prag: Brief an Ernst Rowohlt (Br 105, KWBr 26)
25.9.1912 25. September. Vom Schreiben mich mit Gewalt zurückgehalten. (T 215)
29.9.1912 Brief an Max Brod (Br 106, KBB 114)
30.9.1912 Brief an Felice (F 386)
Dem Brief vom 18.5.1913 beigelegt
1.10.1912 Brief an Max Brod (Br 109, KBB 114)
[wahrscheinlich 1.10.1912]
6.10.1912 Brief an Ernst Rowohlt (Br 106, KWBr 26)Prag
7.10.1912 Kurt Wolff an Franz Kafka (KWBr 26)
8.10.1912 Brief an Max Brod (Br 107, KBB 115)
15.10.1912 Brief an Max Brod (Br 106, KBB 118)
16.10.1912 Kurt Wolff an Franz Kafka (KWBr 27)
19.10.1912 Kurt Wolff an Franz Kafka (KWBr 27)
7.11.1912 Brief an Max Brod (Br 110, KBB 118)
7.11.1912 Prag: Brief an Willy Haas
14.11.1912 Brief an Max Brod (Br 112, KBB 120)
16.11.1912 Brief an Max Brod (Br 102, KBB 120)
25.11.1912 Brief an Willy Haas (Br 112)
11.12.1912 Brief an den Vorstand der Anstalt (AS 175)
24.12.1912 Brief an Felice (F 204)
24.12.1912 Brief an Felice (F 205)
25.12.1912 Brief an Felice (F 206)
26.12.1912 Brief an Felice (F 207)
26.12.1912 Brief an Felice (F 208)
27.12.1912 Brief an Felice (F 210)
28.12.1912 Brief an Felice (F 211)
29.12.1912 Brief an Felice (F 213)
29.12.1912 Brief an Felice (F 216)
30.12.1912 Brief an Felice (F 217)
31.12.1912 Brief an Felice (F 220)
31.12.1912 Brief an Oskar Baum (Br 112)
[wahrscheinlich 1912]

 
 
          
Letzte Aktualisierung: 07.03.2012
          
   
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