Interpretationen
Ein Bericht für eine Akademie
 
                     
 
 

Die präsentierten Texte versuchen, verschiedene Möglichkeiten des Lesens von Kafkatexten aufzuzeigen, zum Beispiel auf ihren Verweisungscharakter hin. Exemplarisch vorgeführt wird diese Lesart an der Erzählung Ein Bericht für eine Akademie.

Vorwort der Verfasser
Eine kurze Charakterisierung der Vorgehensweise innerhalb der vorliegenden Arbeit und (hoffentlich) nützliche Erläuterungen zum Verständnis derselben.

Ein Bericht für eine Akademie
Der zu Kafkas Lebzeiten veröffentlichte Primärtext der Erzählung Ein Bericht für eine Akademie.

Andere Texte zum Rotpeter-Thema
Aus dem Nachlaß Kafkas veröffentlichte Primärtexte, die in thematischer Verbindung zu der Erzählung Ein Bericht für eine Akademie stehen.

Editionsgeschichte
Das Edieren der Werke Kafkas ist nicht unproblematisch, da eine Dualität zwischen einzelnen Texten besteht. So lassen sich zum Beispiel Textfragmente der schon zu Lebzeiten veröffentlichten Werke innerhalb des Nachlasses Kafkas finden. Die Textfragmente, aus denen Texte Kafkas zusammengesetzt sind, und die durch Edition daraus entstandenen Texte sind nicht unbedingt identisch; vieles bleibt fragmentarisch zusammengesetzt - nicht nur von Kafka selbst, sondern auch von weiteren Editoren. Die Frage der Edition zu Lebzeiten, wie auch spätere Edition, ist demnach nicht unerheblich für die Rezeption der Werke Kafkas.

Motiv der Transformation
Die Erzählung Ein Bericht für eine Akademie läßt sich einreihen in die Wandlungs- oder Verwandlungsgeschichten bei Kafka. Das Motiv der Transformation innerhalb des Textes wird erläutert. Es findet eine literarische Subjekterschaffung statt, die zwischen den Topoi 'Zwang' und 'Freiheit' situiert ist.

Textgenese
Einige Hinweise zur Entstehung des Kafkatextes werden gegeben. Es stellen sich die Fragen, wie der Schaffungskontext aussieht und welches kulturell geteilte Wissen mit in den Text einfließt. Man könnte auch die Frage stellen, welche `loci` innerhalb des Textes `abgeschritten` oder wieder `getilgt` werden.

Kafkas Schreiben
Der Schreibprozeß bei Franz Kafka wirkt sich direkt auf die Texte aus. Wie dies geschieht, ist ansatzweise in diesem Abschnitt beschrieben. Dabei lohnt sich ein Blick auf die Reproduktion des Originalmanuskripts.

Manuskript
Reproduktion des Originalmanuskripts einer Textseite aus dem Oktavheft D mit entsprechenden Korrekturen.

Hypertextualität
Der Text der Erzählung Ein Bericht für eine Akademie hat Verweisungscharakter. Der Text verschließt sich und baut eine interne Zirkulation auf. Verweise auf textexterne Interpretationsmöglichkeiten werden gestrichen. Aus dem Inneren heraus ist nicht direkt eine Rückanbindung möglich. Es werden Hinweise zur 'hypertextuellen Struktur' des Textes gegeben.

Consul-Text
Der Text Consul der viel Bewunderte.Aus dem Tagebuch eines Künstlers ist im Prager Tagblatt am 1. April 1917 in der Wochenbeilage Onkel Franz. Illustrierte Jugendzeitung erschienen [Bauer-Wabnegg 1990: 356] und wurde höchstwahrscheinlich von Kafka gelesen. Der Text wurde vor der Entstehung der Kafkaerzählung Ein Bericht für eine Akademie veröffentlicht und es bestehen intertextuelle Parallelen.

Erste Veröffentlichung und Rezeption
Dieser Text umreißt die Umstände der Erstveröffentlichung des Berichts für eine Akademie und den Ursprung der 'Tradition' als mündliches Vortragsstück.

Der Bericht als Allegorie
Ein Bericht für eine Akademie wurde anfangs vor allem als eine offensichtliche Allegorie auf das damalige Westjudentum interpretiert, dem Kafka selbst angehörte. Die Tradition dieser Auslegung dauert bis heute fort.

Kafkas einziger positiver Held
Im Gegensatz zu allen anderen Protagonisten der Erzählungen und Romane Kafkas erscheint der Affe Rotpeter als ein, wenn auch eingeschränkt, erfolgreicher Held.

Bezüge zu literarischen Texten
Die Literaturwissenschaft hat sehr überzeugende und aufschlußreiche intertextuelle Parallelen zwischen Ein Bericht für eine Akademie und einigen Erzählungen E. T. A. Hoffmanns aufgezeigt.

Bezüge zum Darwinismus
Die Figur des Affen Rotpeter, der eine rasende Entwicklung zum Menschen durchgemacht hat, zwingt unweigerlich zu der Annahme, Kafkas Bericht für eine Akademie müsse unter Berücksichtigung der damaligen Diskussion von Darwins Evolutionstheorie interpretiert werden.

Kafka und Nietzsche
Einige Interpreten sind der Meinung, Ein Bericht für eine Akademie weise starke Bezüge zu Nietzsches Philosophie und deren radikalisierter Deutung der Darwinschen Evolutionstheorie auf. Die Beweislage für diese These erweist sich als problematisch.

Affendressur
Dressierte Affen, die scheinbar menschliche Züge trugen, waren zur Entstehungszeit des Berichts für eine Akademie ein vieldiskutiertes Phänomen. Viele Zeitungen und Zeitschriften berichteten über erstaunliche Erfolge bei der Dressur von Tieren und deren Darstellung in Zirkus und Varieté. Manch einer glaubte gar, Tieren durch Dressur die Mühsal der natürlichen Evolution zu menschlicher Intelligenz ersparen zu können. Die Literaturwissenschaft hat erstaunliche intertextuelle Parallelen zwischen Ein Bericht für eine Akademie und Artikeln in, von Kakfa wahrscheinlich rezipierten, Zeitschriften und Zeitungen sowie biologisch orientierten Büchern belegen können.

Verzeichnis der Primärliteratur

Verzeichnis der Sekundärliteratur

 
 
          
Letzte Aktualisierung: 07.03.2012
          
   
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