Literarisches Umfeld und Freunde
Johannes Urzidil
 
                     
 
 

Information Neben einer Übersicht über die Werke halten wir auch eine Zusammenstellung externer Links bereit.

Johannes Urzidil Johannes Urzidil wurde am 3. Februar 1896 in Prag geboren und starb am 2. November 1970 in Rom. Er war als Erzähler, Lyriker, Publizist und Essayist tätig. Sein Vater war Beamter bei der Bahn und deutschnational eingestellt. Die jüdische Mutter starb früh.

Urzidil wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und mußte sich früh mit den Konflikten zwischen Tschechen und deutschsprachigen Juden auseinandersetzen. Als Urzidil 1914 in einem deutschen Gymnasium die Reifeprüfung ablegt, ist er zugleich regelmäßig im legendären Café Arco anzutreffen, wo er auch Franz Kafka, Max Brod, und Franz Werfel kennenlernt. In den Jahren 1914 bis 1919 studiert Johannes Urzidil in Prag Germanistik, Slawistik und Kunstgeschichte, wird aber von 1916 bis 1918 durch den Dienst in der österreichisch-ungarischen Armee am Studium gehindert.

Im Jahre 1922 heiratet Johannes Urzidil die Lyrikerin Gertrud Thieberger und arbeitet als Pressebeirat der deutschen Gesandtschaft in Prag, als Korrespondent des "Berliner Börsen-Couriers" und als Mitarbeiter in verschiedenen Prager Zeitungen. Literarisch gewinnt für ihn immer mehr die Beschäftigung mit Goethe und dessen Einfluß auf Böhmen an Bedeutung. In politischer Hinsicht tritt Urzidil zwar für die Autonomie der Sudetendeutschen im kulturellen Bereich ein, doch die Angliederung von Deutsch-Böhmen an das Deutsche Reich wird von ihm nicht befürwortet. Diese Einstellung hat 1934 seine Entlassung aus dem diplomatischen Dienst zur Folge. Er zieht sich nun unter anderem in das Josefstal im Böhmerwald zurück, wo er sich überwiegend der tschechischen Kunstgeschichte widmet.

Der Terror der Gestapo zwingt Urzidil 1939 zu Emigration nach London, wo er sich der tschechoslowakischen Exilregierung anschließt. 1941 geht er als Korrespondent verschiedener Exilzeitungen nach New York und erhält 1946 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Urzidil arbeitet nun als Verlagslektor und übernimmt verschiedene Tätigkeiten im Radiosender Stimme Amerikas.

Obwohl Johannes Urzidil in den 50er und 60er Jahren bedeutenden Bucherfolge im deutschsprachigen Raum zu verzeichnen hat, kehrt er aus seinem Exil nicht mehr zurück und stirbt 1970 in Rom.

Textgrundlage: Literatur Lexikon, Autoren und Werke deutscher Sprache, herausgegeben von Walter Killy, Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh/München, 1991.
Bildquelle: Franz Kafka und seine Welt. Eine Bildbiographie von Gustav Janouch, Wien/Stuttgart/Zürich 1965, S. 168.

 
 
          
Letzte Aktualisierung: 07.03.2012
          
   
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