Literarisches Umfeld und Freunde
Max Brod
Werke
 
                     
 
 
Information Neben einer Übersicht über die Biographie halten wir auch eine Zusammenstellung externer Links bereit.

Max Brod In seinen dichterischen Anfängen, der Periode des "Indifferentismus" von 1906 bis 1907, wurde Max Brod hauptsächlich von Schopenhauer beeinflußt. Es entstanden zwei Novellenbände und der abschließende expressionistische Roman Schloß Nornepygge (Berlin 1908), der zwar in späteren Zeiten von Brod abgelehnt wurde, aber zum Beispiel im literarischen Kreis von Kurt Hiller als ein herausragendes und bedeutendes Werk gehuldigt wurde und Max Brod einen Namen in der literarischen Welt einbrachte. In den folgenden Romanen konzentriert sich Brod auf das für ihn so wichtige sittliche Prinzip der verwirklichenden Tat, die dem Leben des Menschen erst einen Sinn gibt. Die dazu notwendige Überwindung egoistischer Triebe schildert er in seinem berühmten Roman Tycho Brakes Weg zu Gott (Leipzig 1915). Damit eröffnet er eine Reihe von historischen Romanen, die mit dem Buch Johannes Reuchlin und sein Kampf (Stuttgart 1966) abgeschlossen wird, wobei in jedem der insgesamt sechs Romane der Protagonist letztendlich durch eine ethischen Entscheidung für die Wahrheit kämpfen muß.

Durch das Bekenntnisbuch Heidentum Christentum Judentum (Leipzig 1921) erweckt Max Brod jüdisches Gedankengut zu neuem Leben und offenbart zugleich seine religionsphilosophische Einstellung, die in seinen belletristischen und historischen Romanen und Essays erweitert und abstrahiert wird. Diese philosophische Grundeinstellung vertritt Max Brod bis zu seinen beiden letzten kulturpolitischen Büchern Diesseits und Jenseits (Winterthur 1947/48) und Das Unverlierbare (Stuttgart 1968). Für Max Brod kann der Mensch nur mit Hilfe seines Willens den kausalen Zusammenhang zwischen Sünde und Tat beherrschen und überwinden und wie früher schon müssen die Protagonisten in diesen Werken durch Bewährungsproben diesen Zustand erkämpfen.

Im historischen Roman Reubeni, Fürst der Juden (Leipzig 1925) stellt Brod dann die kritische Frage nach Sinn und Zweck der Sünde, weil der Protagonist Reubeni sich der Sünde zur Erreichung eines edlen Zweckes bedienen will. Die Frage nach dem "edlen und unedlen Unglück" diskutiert Max Brod in seinem Erkenntnisbuch von 1921. Das eine unabwendbare Unglück entstamme der Endlichkeit des Menschen und das zweite, das unedle Unglück sei menschlichen Ursprungs und ein Teil der Bestimmung des Menschen bestehe darin, eben dieses letztere Unglück abzuwenden.

Um diese Weltanschauung Max Brods richtig aufzufassen, ist es wichtig über den Diesseitsbegriff in der jüdischen Religion und den damit verbundenen drei Ebenen des Willens, der Konzeption der "Wahlfreiheit", die Spannweite der Willensfreiheit und auf dritter Ebene die Pflicht des Menschen, die eigene Willenskraft zum Guten für sich und die Welt zu lenken, informiert zu sein, denn gerade diese Weltanschauung war ein nie geklärter Diskussionspunkt zwischen Max Brod und Franz Kafka. Daher ist, wie schon in der Biographie erwähnt, auch die Entscheidung Brods, die Manuskripte Kafkas auch gegen dessen Willen nicht zu verbrennen sondern zu veröffentlichen, als klar durchdachte Entscheidung Brods zum "Guten" zu bewerten, da er sich sowohl der zeitweiligen Willensschwäche Franz Kafkas, als auch seiner und der eigenen Verantwortung der Welt gegenüber bewußt war.

Weitere Werke

  • Tod den Toten, Berlin 1906.
  • Experimente, Berlin 1907.
  • Ein tschechisches Dienstmädchen, Berlin 1909.
  • Jüdinnen, Berlin 1911.
  • Arnold Beer, Berlin 1912.
  • Anschauung und Begriff (zusammen mit Felix Weltsch), Leipzig 1913.
  • Über die Schönheit häßlicher Bilder, Leipzig 1913.
  • Die erste Stunde nach dem Tod, Leipzig 1916.
  • Eine Königin Ester, Leipzig 1918.
  • Das große Wagnis, Leipzig 1918.
  • Sozialismus im Zionismus, Wien 1920.
  • Im Kampf um das Judentum, Wien 1920.
  • Sternenhimmel, Leipzig 1923.
  • Zionismus als Weltanschauung (zusammen mit Felix Weltsch), Mährisch-Ostrau 1925.
  • Stefan Rott, oder das Jahr der Entscheidung, Wien 1920.
  • Die Frau, die nicht enttäuscht, Amsterdam 1933.
  • Heinrich Heine, Amsterdam 1934.
  • Rassentheorie und Judentum, Wien 1936.
  • Franz Kafka, Prag 1937.
  • Das Diesseitswunder, Tel Aviv 1939.
  • Galilei in Gefangenschaft, Winterthur 1948.
  • Unambo, Zürich 1949.
  • Der Meister, Berlin 1951.
  • Briefwechsel mit Janacek, Prag 1953.
  • Armer Cicero, Zürich 1955.
  • Streitbares Leben, München 1960.
  • Der Prager Kreis, Stuttgart 1966.
  • Gesang einer Giftschlange, München 1966.
  • Über Franz Kafka, Frankfurt am Main 1966.

herausgegebene Werke von Franz Kafka

  • Der Prozeß (Nachwort von Max Brod), Berlin 1925.
  • Das Schloß (Nachwort von Max Brod), München 1926.
  • Amerika (Nachwort von Max Brod), München 1927.
  • Beim Bau der Chinesischen Mauer (Herausgeber: Max Brod und Hans Joachim Schoeps), Berlin 1931.
  • Gesammelte Schriften (Herausgeber: Max Brod und Heinz Politzer), Berlin/Prag 1935 bis 1937.
  • Ein Brief an den Vater, In: "Der Monat" I 1948/49.

Textgrundlage: Literatur Lexikon, Autoren und Werke deutscher Sprache, herausgegeben von Walter Killy. Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh/München, 1991.
Bildquelle: Klaus Wagenbach: Franz Kafka-Bilder aus seinem Leben, Berlin, 1989, S. 54.
 
 
          
Letzte Aktualisierung: 07.03.2012
          
   
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