Prager deutsche Autoren
Konstantin Ahne
 
                     
 
 

* 10.1.1901 Pola (Istrien)
+ 1991 noch nicht verstorben

Ahne wurde am 10.1.1901 als Sohn des Kaufmanns Oskar Ahne (1867-1932) und seiner Frau Antonie (1862-1944) in Pola (Istrien) geboren. Als die Stadt während des Krieges evakuiert werden mußte, zog Konstantin mit seiner Mutter erst zu Verwandten nach Wien, dann nach Prag.

Nach dem Besuch der Ersten Deutschen Staatsrealschule in Prag- Neustadt vom September 1915 bis zum Abitur im Juli 1918 - währenddessen Ahne wie sein Freund Hans Klaus vom Schullunterricht, insbesondere aber von seinem Deutsch- und Französich-Lehrer Kreibich (1863-1939) zum Schreiben motiviert wurde - begann Ahne das Studium der Architektur an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag im Wintersemester 1918/19. Wie für Rudolf Altschul ist auch für Ahne der Besuch allgemeinbildender Veranstaltungen belegt - am 11.6.1923 schloß er sein Studium mit vorzüglichen Noten ab.

Ahne gelang am schnellsten von den drei Freunden der Einstieg ins Berufsleben: Nach Beendigung seiner Studien arbeitete er in verschiedenen Architekturbüros und machte sich 1930 selbständig. 1940 zum Dienst in der Heeresküstenartillerie in der Normandie eingezogen, geriet Ahne bei der Invasion 1944 in britische Gefangenschaft. Während der drei Jahre seiner Gefangenschaft nutzte er seine künstlerischen Fähigkeiten zur Erleichterung des Lagerlebens, so z. B. durch Betreuung des Orchesters, Schreiben von Einaktern für Theateraufführungen und Tätigkeiten als Redakteur und Karikaturist für verschiedene Lagerzeitungen. Nach seiner Entlassung 1947 ließ er sich als Heimatvertriebener in Hamburg nieder, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1966 bei der Landeszentralbank als Baudirektor tätig war. Seit 1975 arbeitet er nun als freischaffender Architekt in Hamburg.

Ahne hatte schon früh Kontakte zum Prager Tageblatt, in dem er - gemäß dem östtereichisch-ungarischem Gesetz, daß Mittelschülern die Veröffentlichung eigener Werke verbat - schon zur Schulzeit unter dem Pseudonym Hans Tine Kanton einige Gedichte (z. B. die Erwartung im Regen am 14.4.1918) veröffentlichte. Schon im September 1918 und im März 1919 folgten weitere Veröffentlichungen, ab Mai 1919 dann auch außerhalb Prags - im Phaeton, einer von Alfred Kuhn herausgegebenen Monatsschrift für Lyrik.

Der Sommer 1919 brachte unter dem Titel Leben...Nebel die erste selbständige Buchveröffentlichung Ahnes, die 32 zum Teil sein Verhältnis zur Jugendfreundin Rebecca Schnitzer verarbeitenden Gedichte sowie ein Prosastück namens Monologe eines Irren umfasste. Die 1. Auflage (ca. 1000 Exemplare) wurde von Ahnes Eltern bezahlt und erhielt gute Rezensionen im Phaeton und im Prager Tageblatt. Auf einem Vortragsabend des Klubs deutscher Künstlerinnen, an den Ahne von Klaus und Altschul empfohlen worden waren, erntete Ahne dagegen wenig Applaus: Seine Stücke waren offensichtlich zu modern für das Publikum. Sechs weitere Gedichte wurden im Prager Tageblatt zwischen dem Juni und dem Oktober 1919 veröffentlicht.

In seinem Werk äußerte Ahne eine starke Kritik an den gesellschaftlichen Umständen (vgl. die Aufzeichnungen Tronitscheks über seinen Bruder Orion, Admiral Tronitschek und Huhu, das Märchen vom Kinde): So beschreibt er die desillusionierenden Kriegserfahrungen und die Verachtung der Hilflosigkeit und Untätigkeit der (Versprechungen machenden) Politiker durch seine Generation. Insbesondere kritisierte er: die Absegnung des Krieges durch Gottesdienste in seiner Schulzeit; das (seiner Meinung nach festzustellende) Versagen der bürgerlichen Gesellschaft hinsichtlich der sozialen Frage; den Kolonialismus und die Selbstüberschätzung abendländischer Kultur (Ahne ist vom Sieg der Kultur des Primitiven überzeugt, beeinflusst von der französischen Moderne, u.a. Gauguin) sowie religiöse Bräuche und die Gläubigkeit vieler seiner Zeitgenossen [Vgl. dazu Binder 1991: 175-178].

Formal weisen diese letzten Werke viele teils expressionistische, teils dadaistische Elemente auf: Durch unzusammenhängende Einstreuung verschiedener Problematiken, durch die Vermeidung chronologischer Handlungsabfolge und bewußt ausgelassene Handlungsschritte sowie fehlende Hintergrundinformationen, ohne die das Dargestellte unsinnig wird, soll eine mögliche Einfühlung des Lesers verhindert werden: Das Geschehen ist weder motiviert noch kommentiert, unterschiedliche Ereignisse finden (typisch dadaistisch) simultan in Zeit und Ort statt. Ahnes Tronitschek ist stark von Paul Adlers Nämlich beeinflusst.

Werke

  • Die Aufzeichnungen Tronitscheks über seinen Bruder Orion, 1921
  • Admiral Tronitschek, 1921
  • Huhu, das Märchen vom Kinde, 1921

 
 
          
Letzte Aktualisierung: 07.03.2012
          
   
www.kafka.uni-bonn.de/cgi-bin/kafka?Rubrik=prager_deutsche_literatur&Punkt=autoren&Unterpunkt=ahne