Zeitgeschichte
Technische Wandlungen
 
                     
 
 

Das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch die endgültige Konsolidierung der industriellen Produktionsweise und ihre Ausbreitung in viele Länder Europas und die USA. In dieser Zeit wurde die fabrikmäßige Herstellung bei einer Reihe von Verbrauchsgütern eingeführt, die bislang noch ausschließlich handwerklich gefertigt worden waren (z. B. Konfektionskleidung) und industriell gefertigte Surrogate (Margarine seit 1869, Kunstseide seit 1885) machten teuren Naturprodukten Konkurrenz. Parallel zur ständigen Anpassung der bestehenden Industrien an neue Methoden und Markterfordernisse entstanden völlig neue Produktionszweige. Zu den bedeutendsten gehörte die Elektroindustrie. Neben der die Nachrichtenvermittlung revolutionierenden Erfindung von Telegraph (1833) und Telefon (1876), später des Funkverkehrs (1905), stand die Verwendung elektrischen Stroms als Energiequelle in der technologischen und industriellen Entwicklung obenan. Seit 1873 war der Elektromotor verfügbar, der 1879 in der Berliner elektrischen Straßenbahn seine Verwendung als Antriebsmittel bewies. Die Technisierung kleinerer Betriebe wurde durch ihn in großem Maße möglich. Als Lichtquelle war elektrischer Strom schon seit 1858 (in Bogenlampen) verwendet worden; aber erst die Einführung der Glühfadenlampe durch Swan und Edison schuf die Möglichkeit, Elektrizität auch zur Beleuchtung von Wohnräumen zu benutzen.

Eng verbunden mit dem Ausbau der elektrischen Industrie war die Entwicklung der Großchemie, die Elektrolyseverfahren zur Gewinnung von Aluminium ermöglichte. Künstliche Düngemittel und Baumwollprodukte wurden in ihrer Produktion qualitativ verbessert und verbilligt. Künstliche Farbstoffe lösten die natürlichen ab. Die Entwicklung der Technik ist dadurch gekennzeichnet, daß sie in engem Anschluß an die akademische Wissenschaft stand. Erdöl bildete den Ausgangspunkt einer mächtig anwachsenden Industrie mit speziellen technischen Innovationen (Pipeline 1865). Die Bedeutung der Schwerindustrie blieb dabei ungebrochen, ja sie erreichte erst jetzt ihren Höhepunkt. Der Stahl verdrängte weitgehend das Eisen. Eisenbahnschienen, Schiffe, Brücken und die Rüstungstechnik schufen einen neuen, großen Bedarf.

 
 
          
Letzte Aktualisierung: 07.03.2012
          
   
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